860000 Wohnungslose in Deutschland

6.1.2018 – Auch in Deutschland brauchen viele Menschen Spenden und – was noch wichtiger wäre – staatliche Unterstützung. Etwa 860000 Menschen haben hierzulande keine eigene Wohnung, schätzt die „Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe (BAG W). In dieser erschreckenden Zahl sind auch die anerkannten Flüchtlinge mitgerechnet, die bislang keine Wohnung gefunden haben und beispielsweise in Gemeinschaftsunterkünften leben. Sie stellen etwa die Hälfte der Wohnungslosen.

Steigende Mieten, vor allem in den Großstädten, und zu wenige „Sozialwohnungen“, so lautet die Diagnose der Ursachen. Auch die hohe Zahl der Migranten und Flüchtlinge hat die Lage für die ärmsten Bevölkerungsgruppen sicherlich nicht einfacher gemacht. Spätestens an dieser Stelle finden Rechtspopulisten einen Anlass, erneut zur Entsolidarisierung unserer Gesellschaft aufzurufen. Man müsse nur die „Zuwanderung“ stoppen, so die präsentierte Patentlösung.

Schere zwischen Angebot und Nachfrage weit geöffnet

Nach Studien des Pestel-Instituts und des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos hat die Zahl der Baufertigstellungen in Deutschland seit 2009 zwar deutlich zugenommen, blieb aber in jedem Jahr unter dem Bedarf. Während das jährliche Defizit zunächst 200.000 Wohnungen betrug, lag es 2016 bei gut 120.000 Wohnungen. Dieser Rückstand hat sich nun aufsummiert. Während bei Eigenheimen und hochpreisigen Mietwohnungen die Lage noch erträglich erscheint, hat sich bei Sozialwohnungen eine besonders breite Schere zwischen Angebot und Bedarf geöffnet. Der Sozialwohnungsbestand sich seit dem Jahr 2002 etwa halbiert hat und nur noch bei 1,3 Millionen Wohnungen liegt. Alleine im sozialen Wohnungsbau müssten 80.000 Wohnungen jährlich geschaffen werden.

Angesichts dieser Zahlen ist zunehmende Wohnungsnot nicht überraschend und sollte keineswegs den Schutz suchenden Flüchtlingen zum Vorwurf gemacht werden.

Was heißt „wohnungslos“?

Es soll nicht beschönigend wirken, an dieser Stelle die verwendeten Begriffe zu klären: Als „wohnungslos“ gelten Menschen, die keine eigene Wohnung besitzen. Das heißt nicht notwendigerweise, dass sie im Freien schlafen. Viele Wohnungslose kommen bei Freunden und Verwandten unter, oder in staatlichen Unterkünften. Das ist unkomfortabel und entwürdigend, aber besser als ein Leben auf der Straße.

„Obdachlos“, also ohne jegliche Unterkunft, waren im Jahr 2016 52000 Menschen (so die Zahlen der BAG W). Ihre Zahl ist den vergangenen Jahren offenbar deutlich angestiegen. Bei diesen Obdachdachlosen konzentrieren sich oft mannigfaltige Probleme, die eine Integration in den öffentlichen Wohnungsmarkt erschweren: von der Arbeitslosigkeit bis zur Drogensucht. Hier sind besonders intensive und umfassende Hilfsmaßnahmen notwendig, die keinesfalls bei einer Wohnungsbeschaffung enden dürfen.

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