Cholera grassiert in Jemen – warum?

19.5.2017 – Über 200 Menschen sind gestorben seit Beginn der Cholera-Epidemie in Jemen. Von mehr als 17.000 Verdachtsfällen spricht das Kinderhilfswerk UNICEF. Täglich soll es 3000 Neuinfektionen mit Cholera geben. Die Statistik hält kaum Schritt mit der bitteren Realität. Schuld sind die katastrophalen sanitären und medizinischen Verhältnisse in dem arabischen Land, das seit zwei Jahren von einem Bürgerkrieg zerrüttet wird (mehr Informationen hier).

Cholera-Bakterium unter dem Elektronenmikroskop - Quelle: gemeinfrei

Cholera-Bakterium unter dem Elektronenmikroskop – Quelle: gemeinfrei

Was ist Cholera?

Hauptsymptome der Infektionskrankheit sind extreme Brechdurchfälle, die in kurzer Zeit zu einem tödlichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust führen können. Wird die Cholera nicht behandelt, sind Sterberaten von 50 Prozent und mehr möglich.

Auslöser ist ein Bakterium mit dem lateinischen Namen Vibrio cholarae, das vorwiegend den Dünndarm schädigt. Es gelangt typischerweise über menschliche Fäkalien ins Trinkwasser. Auch Nahrungsmittel können direkt mit Cholera-Erregern infiziert sein. Eine Ansteckung erfolgt daher vorwiegend über verunreinigtes Trinkwasser, in zweiter Linie über Nahrung – und nur sehr selten von Mensch zu Mensch.

Warum führt ein Krieg zur Cholera?

In armen Ländern wie dem Jemen ist es um die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung ohnehin schlecht bestellt. Es ist nicht genügend Geld vorhanden, die Leitungssysteme zu warten und instand zu halten. Oft fehlt es auch an technischem Know-how zur Wasseraufbereitung. Daher besteht stets die latente Gefahr, dass Abwasser und Trinkwasser miteinander in Berührung kommen.

Während eines Kriegszustandes werden einerseits Wasserleitungen und Wasseraufbereitungsanlagen beschädigt; andererseits verringern sich die Chancen weiter, dass Schäden behoben werden können. Will die Bevölkerung nicht verdursten, muss sie das Risiko eingehen, eventuell kontaminiertes Wasser zum Kochen und Trinken zu verwenden. Ähnliche Probleme stellen sich auch bei plötzlich auftretenden Naturkatastrophen, vor allem bei Erdbeben.

Was ist zu tun?

Cholera ist zwar eine gefährliche Krankheit – aber bei richtiger Behandlung liegt die Sterberate unter einem Prozent! Die richtige Behandlung bedeutet vor allem: Ersatz der verlorenen Flüssigkeit, am besten intravenös. Antibiotika und Impfungen helfen nur in begrenztem Umfang.

Damit die kranken Menschen behandelt werden können, müssen zu einem Arzt, Krankenhaus oder wenigstens einem Nothelfer gelangen. Aber genau darin liegt ein zusätzliches Problem in einem Kriegsgebiet wie Jemen: Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen, viele Krankenhäuser sind zerstört oder haben geschlossen. Die an Cholera erkrankten Menschen können also mit geringem medizinischem Einsatz gerettet werden – wenn ihnen jemand inmitten der Kriegswirren zur Hilfe kommt.

Um die Neuinfektionen zu stoppen, müsste die Trinkwasserversorgung repariert werden. Als kurzfristige Maßnahme kommt eine Wasserentkeimung infrage. Für eine dauerhafte Besserung der Situation gibt es aber eine wichtige Voraussetzung: das Ende des Krieges.

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