Welthunger-Index 2017: trotz positivem Trend über 800 Millionen Hungernde

13.10.2016 – Der nun vorliegende Welthunger-Index 2017 vermittelt äußerst zwiespältige Gefühle. Einerseits nimmt in vielen Staaten die Zahl der Hungernden kontinuierlich ab. Andererseits ist die Gesamtzahl sogar angestiegen – und in einigen Brennpunkten ist die Lage so schlimm wie nie zuvor. Die aktuellen Ergebnisse hat die Welthungerhilfe unter der Internetadresse globalhungerindex.de zusammengefasst.

Globale Indexwerte sinken

Befassen wir uns zunächst mit den positiven Aspekten. In globalem Maßstab lag der jährlich erhobene Indexwert vor 25 Jahren bei 35,2 und ist seither immer weiter gefallen, um 2017 einen Tiefstand bei 21,8 zu erreichen. Dabei setzt sich der Index zusammen aus den Kriterien Unterernährung, Auszehrung bei Kindern, Wachstumsverzögerung und Kindersterblichkeit. Übersetzt bedeutet das im Groben: gut jeder fünfte Mensch muss hungern.

Da allerdings die Weltbevölkerung immer weiter zunimmt, sinkt die absolute Zahl der Hungernden nicht in gleichem Maße. Laut Welthungerhilfe stieg ihre Zahl im Jahr 2017 sogar auf nun 815 Millionen. Das erklärte Ziel der Vereinten Nationen, den Hunger bis zum Jahr 2030 weltweit zu eliminieren, liegt noch in weiter Ferne.

Hunger in Afrika und Asien

Wie seit Jahrzehnten ist die Verteilung der klassischen Hungerregionen auf dem Globus weitgehend konstant. Besonders betroffen sind Afrika und Südasien. Sehr problematisch ist die Situation auch in Kriegsgebieten wie Afghanistan, Somalia, Syrien, Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo. In den vier letztgenannten Staaten lässt sich die konkrete Ernährungslage kaum statistisch ermitteln – zu unsicher ist die Lage in den Ländern, als dass eine verlässliche Untersuchung möglich wäre.

Absolutes Schlusslicht unter denjenigen Staaten, bei denen eine Quantifizierung des Hungers (halbwegs) möglich scheint, ist die Zentralafrikanische Republik. In diesem von einem Bürgerkrieg zerfressenen Land wird der Hunger als „gravierend“ qualifiziert, da dort 58,6 Prozent aller Einwohner unterernährt sind. Keinen weiteren Staat haben die Untersucher in die Kategorie „gravierend“ einsortiert, was wohl als gute Nachricht gelten muss… Auf den hintersten Plätzen der Weltgemeinschaft rangieren weitere afrikanische Staaten wie Tschad (Index 43,5), Sierra Leone (38,5), Madagaskar (38,3) und Sambia (38,2).

Regional Halbierung des Hungers

Dass trotz globaler Ungerechtigkeiten und Klimawandel durchaus Fortschritte möglich sind, zeigen Länder wie Aserbaidschan, Ukraine, Peru und Brasilien, die den Hunger besonders stark zurückdrängen konnten. In 14 Staaten hat sich der Hunger-Index zwischen den Jahren 2000 und 2017 mindestens halbiert. Selbst Ruanda, Angola und Äthiopien können deutliche Fortschritte melden – wenngleich auf einem weiterhin unerträglich hohen Niveau.

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