Armutsbekämpfung – eine Kernaufgabe

Über 800 Millionen Menschen auf der Welt gelten als „absolut arm“. Die Vereinten Nationen hatten sich im Jahr 2000 das ehrgeizige Ziel gesteckt, die Zahl Armer bis 2015 zu halbieren. Dies ist zwar gescheitert, positive Tendenzen sind aber deutlich zu erkennen.

Mit Spenden lässt sich das vielschichtige Phänomen der Armut nicht unmittelbar bekämpfen, denn Transferzahlungen an die betroffenen Menschen helfen in der Regel nur kurzfristig. Allerdings können Spenden, wenn sie richtig eingesetzt werden, die Lebensperspektiven der Bevölkerung langfristig verbessern und damit indirekt die Armut verringern. Zum Beispiel können Spendengelder im Bildungssektor die Arbeitsmarktchancen der geförderten Personen und somit die Einnahmen steigern. Nach diesen Prinzipien arbeitet beispielsweise die Hilfsorganisation CARE.

Es bestehen verschiedene Rechenmodelle, die feststellen sollen, ob jemand arm ist. Die Weltbank definierte früher als absolute Armutsgrenze, dass eine Person mit weniger als 1,25 US-Dollar täglich auskommen muss, hat diese Grenze nun auf 1,9 Dollar angehoben. Dabei wird, um die landestypischen Wirtschaftsverhältnisse zu berücksichtigen, die lokale Kaufkraft zugrunde gelegt. Nach der bisherigen Definition waren im Jahr 2015 etwa 836 Millionen Menschen extrem arm. Die meisten armen Menschen leben demnach in Asien, wobei der prozentuale Anteil Armer an der Gesamtbevölkerung im südlichen Afrika am höchsten ist, gefolgt von Südasien.

Der Internationale Währungsfond führt eine Liste, die die Staaten der Erde nach dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf sortiert. Kaufkraftbereinigt ergab sich für 2017 diese Rangfolge auf den letzten 10 Plätzen (Angaben in US-Dollar):

183. Südsudan – 1489
184. Liberia – 1354
185. Jemen – 1287
186. Mosambik – 1244
187. Somalia – 1229
188. Malawi – 1167
189. Niger – 1164
190. Demokratische Republik Kongo – 790
191. Burundi – 735
192. Zentralafrikanische Republik – 677

Zum Vergleich: 18. Deutschland – 50.425

Arme Frau auf der Straße - © Maren Beßler / pixelio.de

Arme Frau auf der Straße – © Maren Beßler / Pixelio.de

Armut in Europa

Wer an Armut denkt, hat vor allem Afrika, Südasien und Lateinamerika im Sinn. Aber auch in Europa gibt es viele arme Menschen. Hier geht es weniger um „absolute Armut“ (definiert mit 1,90 US-Dollar täglich), sondern um „relative Armut“: Relative Armut will den Mangel an Einkommen und Sozialleistungen im Vergleich zu den landestypischen Verhältnissen messen. Damit ist dieser Armutstyp auch ein Kennzeichen ungleicher Einkommensverteilung. Aber: Laut dieser Definition gibt es selbst in den reichsten Gesellschaften arme Leute. Spätestens an dieser Stelle werden die Grenzen der Statistik deutlich. Neben den quantitativen Kriterien müssen auch qualitative Kriterien bemüht werden, um dem Phänomen Armut wirklich nahe zu kommen. So haben arme Menschen oft weniger Zugang zu kultureller und schulischer Bildung sowie zu guter Gesundheitsversorgung.

Die letzte, wirklich belastbare, europäische Untersuchung stammt aus dem Jahr 2013. Seinerzeit hat die EU-Statistikbehörde Eurostat versucht auszuzählen, wie viele Menschen pro Land „von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht“ sind. Immerhin hat die Behörde das Faktum „soziale Ausgrenzung“ berücksichtigt – wie auch immer sich dieses messen lässt. Als von Armut bedroht wurden alle Einwohner angesehen, die weniger als 60 Prozent des jeweiligen nationalen Durchschnittseinkommens erhielten.

Armutsverteilung in Europa:

  1. Bulgarien 48 Prozent
  2. Rumänien 40,4 Prozent
  3. Griechenland 35,7 Prozent
  4. Lettland 35,1 Prozent
  5. Ungarn 33,5 Prozent
  6. Kroatien 29,9 Prozent
  7. Irland 29,5 Prozent

Es fällt auf, wie viele osteuropäische Staaten hier vertreten sind. Die besonderen Probleme Griechenlands sind hinreichend bekannt. Der EU-Durchschnitt in dieser Armutsstatistik liegt bei knapp 25 Prozent, während Deutschland bei 20,3 Prozent liegt. Recht gut schneiden Tschechien, Niederlande und die meisten skandinavischen Staaten ab. Mit Moldawien, der Ukraine, Albanien und Weißrussland fehlen allerdings mindestens vier kritische Länder in dieser Liste – ganz einfach deshalb, weil sie nicht in der Europäischen Union sind und damit den EU-Statistikern keinen Einblick in die zweifellos dramatische Lage geben mussten. Und für Russland rechnet die Weltbank damit, dass die Zahl der Armen aktuell auf über 20 Millionen steigen könnte.

Hilfe zur Selbsthilfe

Als Strategie zur Armutsbekämpfung und Entwicklungsförderung hat sich der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ etabliert. Er findet sich in den programmatischen Aussagen zahlreicher Spendenorganisationen.

Das Selbsthilfe-Credo geht zurück auf die großen Fehlleistungen der Nachkriegs-Entwicklungshilfe: Noch bis in die 1970er-Jahre hinein glaubten viele Hilfsorganisationen und Staatsvertreter daran, einen „Fortschritt“ alleine durch Technologietransfer erreichen zu können. Die Idee war, die „Entwicklungsländer“ könnten Industrieprodukte günstig produzieren, billig verkaufen und damit Einkommen schaffen. Laut gängiger Modernisisierungstheorie sollten die armen Länder Schritt für Schritt die Segnungen westlicher Industrienationen übernehmen.

Als der Irrweg von außen verordneter Entwicklung überdeutlich wurde, entstand das Konzept der „Hilfe zur Selbsthilfe“. Die Menschen sollten in dem Bemühen Unterstützung erfahren, ihre Lage durch eigenes Handeln zu verbessern und an ihren tatsächlichen Bedürfnissen zu orientieren.

Beispiele für eine Hilfe zur Selbsthilfe

  • Bildung und Arbeitsplätze sind Schlüsselfaktoren zur Überwindung von Armut. Wer in einem Land Schulen baut und Jobs schafft, hilft den Menschen, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.
  • Noch besser als Schulen zu bauen ist es, Maurer auszubilden, die nun selbst die Schulen errichten können. Und Lehrer auszubilden, die die Schüler unterrichten können.
  • Statt Kleidung und Nahrung in ein fernes Land zu liefern, ist es sinnvoller, die heimische Textil- und Nahrungsmittelproduktion zu fördern. Ausnahmen sind bei der akuten Katastrophenhilfe notwendig.
  • Auch Mikrokredite für bestimmte Zwecke können die Selbsthilfe vorantreiben. Ein niedrigverzinster Kleinkredit erlaubt es einer Familie beispielsweise, ein Stück Land zu erwerben anstatt weiter als Tagelöhner zu arbeiten.
  • Infrastrukturelle Verbesserungen sind ebenfalls gute Möglichkeiten, die Wirtschaft eines Landes zu stärken. Im Idealfall geschieht dies mit heimischen Ressourcen und Arbeitskräften.

Diese Selbsthilfe-Strategie nutzt vor allem einen Faktor, der vielerorts im Überfluss vorhanden ist: günstige, hoch motivierte Arbeitskräfte. Auf diese Weise erzielt ein minimaler Geldeinsatz eine maximale Wirkung. Diese Effizienz ist gerade aus Sicht der Spender absolut wünschenswert.

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