Vor allem die Bewohner der brasilianischen Elendsviertel und Armutsregionen brauchen intensive Unterstützung (und Spenden). Im Sommer 2020 verblassen die ohnehin vorhandenen Probleme des Landes, denn das Coronavirus bedroht vor allem die ärmsten Brasilianer. Hier ist ein allgemeiner Spendenaufruf in der Coronakrise.

Aktuell: COVID-19 grassiert in Brasilien

Fast 900.000 Corona-Infektionen wurden bislang (16. Juni) in Brasilien registriert, offiziell starben gut 44.000 Menschen. Die Zahlen steigen schnell und die Dunkelziffer ist hoch. Nachdem Staatspräsident Bolsonaro die Epidemie lange als „keine Grippe“ verharmlos hat, wird das Ausmaß der Bedrohung nun immer deutlicher: Brasilien ist der zweitgrößte „Corona-Hotspot“ nach den USA.

Insbesondere in den Elendsvierteln wird die Lage kritisch, da Armut und fehlende Infrastruktur die Versorgung behindern und eine soziale Distanzierung nur ein Wunschtraum ist. Dies betrifft in besonderem Maße die dicht besiedelten Großräume von Rio de Janeiro und Sao Paulo. Um viele Kranke aufnehmen zu können, wurden sogar Fußballstadien in Behelfs-Hospitäler verwandelt. Frühere Fußballstars wie Zico werben erfolgreich um Spenden.

Bereits zusammengebrochen ist das brasilianische Gesundheitssystem bereits in Manaus. Die Millionenstadt liegt mitten im Urwald und beklagt offenbar eine Vielzahl von Todesopfern. Das Coronavirus lässt sich offenbar auch von tropischer Hitze in keine Weise aufhalten.

Millionen in Armut

Die Chancen, die gegenwärtige Epidemie heil zu überstehen, sind ungleich verteilt: In kaum einem anderen Land sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich so gewaltig wie in Brasilien. Während eine dünne Oberschicht in Reichtum lebt, gilt fast die Hälfte der über 200 Millionen Brasilianer als arm oder sehr arm. Allerdings hat sich diese Schere in den vergangenen Jahren nicht weiter geöffnet, sondern es sind einige positive Tendenzen erkennbar. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts hat die Zahl der Brasilianer unter der Armutsgrenze um mindestens 20 Millionen abgenommen.

Blick auf die Favela Rocinha - © Bernhard Thürauf / pixelio.de
Blick auf die Favela Rocinha, Heimat von 200.000 Menschen – © Bernhard Thürauf / Pixelio.de

Landflucht und Stadtelend

Trotzdem herrschen in vielen Landesteilen weiterhin hohe Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit. Wirtschaftlich besonders zurückgeblieben sind der bevölkerungsreiche Nordosten des Landes sowie die Region Amazonien. Ein großes Problem ist auch die Landflucht, die die Millionenstädte wie Sao Paulo (im Großraum über 20 Millionen Einwohner) oder Rio de Janeiro (12 Millionen) immer weiter wachsen lässt. Die Olympiastadt Rio ist wahrlich ein Ort der Gegensätze. Über sechs Millionen Menschen leben im offiziellen Stadtgebiet, noch einmal so viele wohnen in der „Metropolregion“. Während sich an den berühmten Stränden die teuren Hotels aneinander reihen und im Süden der Stadt reiche Wohnviertel gedeihen, gammeln im Hinterland und an den Berghängen die „Favelas“ vor sich hin. Fast ein Drittel der Einwohner Rios lebt in den Favelas, der brasilientypischen Elendsvierteln.

Zwar ist Favela nicht gleich Favela; manche Viertel werden nach Jahren des Wartens an die öffentliche Kanalisation angeschlossen, bekommen Straßenbeleuchtung und Müllabfuhr; aber vielerorts bestimmen Gewalt, Armut und einfachster Wohnstandard den Alltag. Wer im Elend geboren wurde, hat kaum eine Chance auf Bildung und Beruf. Elendsviertel und Straßenkinder sind besonders offensichtliche Probleme Brasilien. Daher fließt hierhin ein erheblicher Teil der internationalen Spenden.

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Natur in Gefahr

Dramatische Dimensionen hat in Brasilien auch die Zerstörung natürlicher Ressourcen, insbesondere des Regenwaldes, angenommen. Die Ursache ist häufig eine illegale Landnahme und anschließende Abholzung durch Großgrundbesitzer. Mitte 2019 standen nach Brandstiftung große Teile des Regenwaldes in Flammen, ohne dass die brasilianische Regierung konsequent eingeschritten wäre. Spenden und andere ausländische Unterstützung waren offenbar unerwünscht – berechtigte Mahnungen wurden als kolonialistisches Gehabe getadelt.

Aber auch die arme lokale Bevölkerung ist darauf angewiesen, Feuerholz aus dem Wald zu entnehmen und trägt so zur Zerstörung bei. Hinzu kommt der zunehmende Flächenverbrauch durch Straßenbau sowie den Abbau von Gold und anderen Bodenschätzen. Auf diese Weise werden ebenfalls die Lebensgrundlagen der letzten, im Einklang mit der Natur lebenden Indianerstämme vernichtet.

Spenden für indigene Völker

Etliche Hilfsprojekte (beispielsweise die Yanomami-Hilfe e.V.) haben zum Ziel, das Leben der so genannten indigenen Völker zu verbessern – und ihr Überleben zu sichern. Dabei sollen die Menschen einerseits Zugang zu gesundheitlicher Versorgung, Bildung, Arbeit und Einkommen erhalten – und andererseits die Chance bekommen, ihre besondere Kultur und Lebensweise zu bewahren. Beide Ziele lassen sich nicht immer gut miteinander vereinbaren, denn auch eine wohlmeinende Einflussnahme kann negative Folgen haben.

Mediale Berühmtheit hat die Volksgruppe der Yanomami erlangt. Dabei handelt es sich um rund 35.000 Menschen, die im Grenzgebiet zwischen Brasilien und dem nördlichen Nachbarstaat Venezuela leben. Sie haben an ihrer ursprünglichen Lebensart wenigstens teilweise festgehalten.

Fakten über das Land Brasilien

Brasilien ist nicht nur der größte Staat Südamerikas, sondern mit einer Fläche von über 8,5 Millionen Quadratkilometern das fünftgrößte Land der Welt. Während die meisten Menschen in den südlichen und östlichen Küstenregionen wohnen, ist das Amazonas-Tiefland sehr dünn besiedelt. In diesen abgeschiedenen Regionen lebt die Mehrzahl der rund 0,5 Millionen indianischen Einwohner (manchmal auch „Indios“ genannt).

Über die Hälfte des Staatsgebiets ist (trotz fortschreitender Entwaldung) noch immer mit tropischem Regenwald bedeckt. Während in den meisten Landesteilen reichlich Niederschläge fallen, kommen im armen Nordosten auch Dürreperioden vor.

Unsere Bewertung – Spendenbedarf in Brasilien: normalerweise mittel, in der Coronakrise hoch

Wo spenden?

Folgende Hilfsorganisationen setzen, unabhängig von Corona, einen Arbeitsschwerpunkt in Brasilien:

  • SOS Kinderdörfer
  • Monte Azul
  • Rua e.V.
  • Plan Deutschland
  • Kooperation Brasilien (KoBra)

(Auswahl ohne Gewähr)

Der Spenden-Ratgeber befasst sich auch mit den an Brasilien angrenzenden Staaten Kolumbien, Venezuela, Peru und Bolivien.

Spenden für Brasilien