Mission und Religion

Ein erheblicher Teil der Spendenorganisationen hat einen konfessionellen Hintergrund. Die Verbreitung der christlichen Botschaft spielt aber eine höchst unterschiedliche Rolle.

Während sich die Mehrzahl der christlich orientierten Organisationen darauf beschränkt, begleitend seelsorgerische Angebote zu unterbreiten, steht für andere die Glaubensvermittlung im Zentrum der Aktivitäten. Dazu gehört auch die aktive Missionierung, zum Beispiel in Afrika, Lateinamerika und Asien. Nicht selten werden Mission und Wohlfahrt für Arme miteinander verbunden.

Gerade in Osteuropa, aber auch in anderen Teilen der Welt, wurden und werden Christen aufgrund ihres Glaubens unterdrückt. In diesen Regionen bemühen sich deutsche Spendenorganisationen, den bedrohten Kirchen und ihren religiösen Vertretern beizustehen. Für die finanzielle und logistische Unterstützung werden Spendengelder erbeten, die – wie alle Spenden für gemeinnützige, kirchliche oder mildtätige Zwecke – von der Steuer absetzbar sind. Nach Einschätzung von fairhelfen.de entspräche eine aggressive Missionierung nicht den Geboten der heutigen Zeit. Wenn Seelsorger dagegen das Wohl des ganzen Menschen im Blick behalten und andere Glaubensrichtungen tolerieren, können sie für die betroffenen Menschen ein persönliches Vorbild sein.

Katholische Spendenorganisationen

Gleich drei große katholische Hilfswerke treten auf dem deutschen Spendenmarkt auf: Adveniat, Caritas und Misereor. Wer für die „Bischöfliche Aktion Adveniat“ spendet, unterstützt vor allem die Arbeit katholischer Gemeinden in Lateinamerika und der Karibik. Das Geld fließt unter anderem in die Priesterausbildung, soll aber auf diesem (Um-)Weg letztlich der Armutsbekämpfung dienen.

Rund ums Kreuz - © Hajo Rebus / pixelio.de

Rund ums Kreuz – © Hajo Rebus / Pixelio.de

Eine direktere, projektgebundene Hilfe bietet Misereor an. Das Hilfswerk unterstützt Gesundheitshilfe, Bildungsmaßnahmen und landwirtschaftliche Projekte in armen Ländern. In Deutschland sehr bekannt ist die Caritas. Zu unterscheiden sind hierbei der „Caritasverband der Erzdiözese München und Freising“ sowie der „Deutsche Caritasverband“. Der erstgenannte betreibt hierzulande vielfältige Einrichtungen für hilfsbedürftige Menschen betreibt – von der Kindertagesstätte bis zum Altenheim. Der zweitgenannte unterstützt soziale Projekt in vielen Ländern der Welt und leistet internationale Katastrophenhilfe.

Aus diesen Erläuterungen wird deutlich: Nur bei Adveniat spielen kirchliche Aufgaben und Strukturen eine explizite Rolle. Die anderen Hilfswerke sind zwar katholisch motiviert, arbeiten aber vor allem im Sinne der Diakonie.

Evangelische Hilfswerke

Zweigleisig sind auch die großen Hilfswerke der evangelischen Kirche in Deutschland aufgestellt. Die sehr populäre Aktion „Brot für die Welt“ hat – wie der Name andeutet – einen Arbeitsschwerpunkt in der Ernährungssicherung. Aber auch nachhaltige Bildungs- und Gesundheitsprojekte stehen auf der Agenda. Akute Katastrophenhilfe will Brot für die Welt aber nicht leisten, denn dies ist die Hauptaufgabe der Schwesterorganisation „Diakonie Katastrophenhilfe“. Beide Organisationen sind im „Diakonischen Werk“ zusammengeschlossen.

Blickt man in die Satzungen dieser evangelischen Hilfswerke oder liest die Selbstdarstellungen, wird die kirchliche Anbindung selbstverständlich deutlich. Inbrünstige Religiosität sucht man hier aber vergebens.

Andere historische Wurzeln hat die evangelische Hilfsorganisation World Vision Deutschland, die Kinderpatenschaften vermittelt und Katastrophenhilfe leistet. Sie ist der deutsche Ableger eines internationalen, aus dem USA stammenden Netzwerkes. Anders als manche ihre Schwesterorganisationen betont World Vision Deutschland aber ihre überkonfessionelle Offenheit.

Hilfswerke mit ausdrücklich christlicher Zielsetzung

Das päpstliche Missionswerk ist in Deutschland aus historischen Gründen mit zwei Organisationen vertreten, die unter dem Namen „missio“ firmieren. Sie sehen ihre Aufgabe darin, in Afrika, Asien und Ozeanien katholische Priester auszubilden, den Bau kirchlicher Zentren zu fördern und vor Ort missionarische Arbeit zu leisten. Neben der Vermittlung des christlichen Glaubens will sich missio unter anderem für soziale Anliegen, Frieden und Menschenrechte einsetzen.

Ist Missionierung im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß? Das muss jeder Spender für sich selbst beurteilen. Das Wort von der „Missionierung“ hat durch Fehlentwicklungen zurückliegender Jahrhunderte einen zwiespältigen Zungenschlag bekommen. Zwangschristianisierungen übereifriger Missionare in Afrika und Lateinamerika haben der Sache des Christentums Schaden zugefügt. Sie gingen Hand in Hand mit den politischen Ambitionen der Kolonialmächte. Dergleichen Verhalten heutigen Missionaren pauschal zu unterstellen, wäre mit Sicherheit töricht. Ob Missionstätigkeit ein wirklich wichtiger Spendenzweck ist, steht auf einem anderen Blatt.

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