Organspenden weiter rückläufig

22.1.2018 – Den deutschen Kliniken gehen die Organe aus. Wer in Deutschland eine Niere, eine Leber oder gar ein neues Herz braucht, muss in der Regel jahrelang warten – und überlebt diese Wartezeit manchmal nicht. Im vergangenen Jahr 2017 hat sich die Lage weiter verschärft, denn die Zahl der Organspenden ist erneut zurückgegangen.

Nur noch 3323 Organe von 769 Spendern (tot oder lebendig) vermeldet die Stiftung Eurotransplant, die in Mitteleuropa Organspenden vermittelt. Im Jahr 2016 waren es noch über 3500 gewesen. Eine aussagefähige Messgröße ist die Zahl der Organspenden pro einer Million Einwohnern. Hier hat Deutschland mit 9,3 einen historischen Tiefststand erreicht. Zum Vergleich: Im besonders spendenfreudigen Spanien betrug der Wert 47 – also das Fünffache.

Was sind die Gründe?

Nach Recherchen des Südwestrundfunks (SWR) liegt die Schuld für die Misere keineswegs bei den potenziellen Spendern. Etwa 70 Prozent der Deutschen würde nach dem Tod bereitwillig eigene Organe zur Verfügung stellen.

Das Problem liegt laut SWR vielmehr in den Entnahme- und Transplantationsbedingungen. Viele Ärzte seien demnach nicht dafür sensibilisiert, bei einem Hirntod Vorkehrungen für eine mögliche Transplantation zu treffen. Außerdem koste ein Klinikbett auf einer deutschen Intensivstation sehr viel Geld, sodass es so schnell wie möglich mit einem neuen, lebenden Patienten – statt mit einem toten – belegt werde. Hintergrund sei die umfangreiche und langwierige Hirndiagnostik zur Todesfeststellung.

Wie so oft liegen die Haken und Ösen also in unserem Gesundheitssystem. Die Kliniken brauchen offenbar zweierlei: Schulungen und ein erhöhtes finanzielles Budget für Organentnahmen. Sollte es so einfach sein? Liegt es im Grunde „nur“ am Geld und seiner richtigen Verteilung? Vermutlich nicht…

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