Schmutzkampagne über Dreckslochländer

12.1.2018 – Eigentlich wollte ich nicht mehr über Donald Trump schreiben. Nur leider ist dieser Mann so wahnsinnig, dass man ihn kaum ignorieren kann. Trumps neuste Erkenntnis: Haiti und sowieso die afrikanischen Staaten sind „Dreckslochländer“. Wer dort herkommt, soll auf keinen Fall in God’s Own Country, also den Vereinigten Staaten von Amerika, leben dürfen. „Schmeißt sie raus!“, soll der Präsident nun gewettert haben – und wünschte sich statt Haitianern Norweger herbei. Vollen Ernstes.

Das Problem ist: die meisten Norweger mögen ihr eigenes Heimatland viel mehr als die USA. Das norwegische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (kaufkraftbereinigt) ist 40 Mal so hoch wie das haitianische und auch höher als das US-amerikanische. Außerdem ist Norwegen ein ausgeprägter Sozialstaat mit funktionierender Demokratie, Wirtschaft und Polizei. Haiti dagegen wird von Despotie, Misswirtschaft, Wirbelstürmen und Erdbeben heimgesucht. Doch ist Haiti deshalb ein „Dreckslochland“?

In einem gewissen Sinne mag es in dem karibischen Inselstaat tatsächlich viele Dreckslöcher geben, sowohl reale als auch metaphorische. Nur tragen die allermeisten Einwohner keinerlei Schuld an dieser Misere. Sie hatten nur einfach nicht das Glück, 80 Längengrade weiter östlich und 40 Breitengrade weiter nördlich im kapitalistischen Gewinnerstaat Norwegen geboren worden zu sein.

Migranten in den USA

Seit der Staatsgründung im 18. Jahrhundert sind die USA ein Einwanderungsland. Abgesehen davon, dass nur die indianische Urbevölkerung ihre Wurzeln in Amerika hatte, zogen zahlreiche Einwanderungswellen über das Land hin. Engländer, Spanier, Franzosen, Italiener, Iren, Chinesen, Mexikaner – aus aller Welt strömten Menschen in das aufstrebende Nordamerika und bildeten den berühmten „Melting Pot“. Das Zusammenleben war sicherlich nie konfliktfrei und schon gar nicht chancengleich, aber wenigstens in der Theorie waren Einwanderer (in Abstrichen sogar die „illegalen“) willkommen. Mit dieser Tradition will Trump augenscheinlich brechen.

Dies sind die wichtigsten Herkunftsländer der Migranten (Stand 2015):

  1. Mexiko 12,1 Mio.
  2. VR China 2,1 Mio.
  3. Indien 2 Mio.
  4. Philippinen 1,9 Mio.
  5. Vietnam 1,3 Mio.
  6. El Salvador 1,3 Mio.
  7. Kuba 1,1 Mio
  8. Südkorea 1,1 Mio.
  9. Dominikanische Republik 0,9 Mio.

Knapp 600.000 stammen tatsächlich aus Haiti. Jeder Zehnte von ihnen (fast 60.000) kam in die USA, nachdem seine Heimat von einem katastrophalen Erdbeben zerstört wurde. Werden Trumps Pläne war, müssen sie Mitte 2019 nach Haiti zurückkehren. Der Präsident hat den Erdbebenopfern den Schutzstatus aberkannt. Auch 200.000 Salvadorianer sollen wieder nach Hause gehen. Für diese Menschen werden mit Sicherheit keine Norweger nachrücken.

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